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Text: Jonas Würstli
Ein sonderbarer Schreiberling voll wirrer Ideen und Erlebnissen. Jonas ist Kult.
Kolumne - Dr. J. Würstli
Teil 13:Analangst
Liebes Klagebuch
Werdinsel. Der geilste Sex. Danke für die Augenblicke. Nashörner sind kurzsichtige Entscheider.
Ich sitze mit Aal im Caveau. Arachon Evolution 2004, Österreich. Aal ist Doppelbürger Schweiz und Österreich. Innendienst einer grossen Versicherung mit französischer Mutter. Aal heisst Aal weil er schon mal Aal gegessen hat in Polen. Vor allem jedoch weil er sich wie ein Aal allen Situationen, vor allem im Zusammenhang mit weiblichen Mitmenschen, anpassen kann. Er wird in unseren Kreisen als "Frauenversteher" gehandelt.
Er: Warum sind wir hier und nicht im Carlton?
Ich: Weil die Biersommerzeit vorbei und die Herbstweinzeit da ist. Und weil ich Erinnerungen verwischen will.
Er: Was für Erinnerungen?
Ich: Du, hast du Amelia eigentlich nochmals getroffen? (Aal kann man easy mit einer Gegenfrage rund um eine seiner Taten von einem Thema wegholen)
Er: Klar! Da habe ich eh grad noch eine Frage an dich. Also, ist etwas delikat (Blick zu den zwei Krawatten-Jungbänkern in 1.5m Nähe)
Ich: Aalichweissallesüberfrauenundmehr fragt Jonas um einen Rat?
Er: Nicht einen Rat, eine Frage. Hattest du schon mal mit einer Frau (ungewöhnlich leise für Aal) Analsex?
Ich: (Das Glas habe ich eh seit 12 Minuten nicht mehr losgelassen und verschaffe mir mit einem langen Schluck Arachon fünf zusätzliche Nachdenksekunden). Warum fragst du mich das? Optimal ist der Ort für dieses Thema nicht wirklich.
Er: (Zischend) Ich weiss, aber es ist grad wichtig. Ich verbringe das Week-end mit Amelia in Uitikon. Ihre Eltern sind weg und wir haben die Hütte für uns. Und Sie will eben von hinten.
Ich: Ja du Glückspilz! Wo liegt denn jetzt genau die Hürde? Du hast das sicherlich schon oft gemacht und weisst doch (seine Gestik lässt den Satz abbrechen).
Er: (schüttelt leicht den Kopf und grinst zur vorbeigehenden Andrea, unserer cleveren Serviertochter, die übrigens echt viel über Wein weiss).
Serviertochter Andrea: Ist bei Ihnen alles okay, schmeckt der Wein?
Ich: Alles wunderbar bei mir, danke. Guter Wein, gute Empfehlung.
Er: Weisch, ich will einfach nix falsch machen. Und ihr nicht wehtun. Und mir ebenfalls nicht. Auch kommt dort ja normalerweise das Dicke (macht mit den Fingern Gänsefüsschen) raus.
Ich: Hey, wenn du das nicht möchtest, dann sag es ihr einfach. Ist doch easy. Wir sind ja nicht mehr 22i.
Serviertochter Andrea: Wir schliessen bald. Haben Sie noch einen Wunsch?
Er: Bitte zahlen und eine Tüte zum Mitnehmen des österreichischen Exportwunders. Sie sind doch aus Wien, oder? (da ist sie wieder, die gewohnte Sicherheit im Umgang mit Frauen).
Aal rennt auf die S, weil er sonst vom Bahnhof Winti nach Hause laufen muss. Ich sitze mit der Tüte im 13er. Das Handy Quakt ein SMS, es ist Aal: Und, hast du jetzt oder nicht? Ich setze die Flasche an, nehme einen Schluck und schreibe zurück "Das besprechen wir beim nächsten Glas Wein. Geniesst das Week-end". Handy off.
Die letzten Zeittropfen vor dem Einschlafen gehören den Bewohnern meines Herzens. Kalt ist es trotzdem.
Dr. J. Würstli